Impact Investing

Die Geschichte des Impact-Investing

Am Anfang der Bibel steht das Wort und am Anfang des Impact-Investments die Bibel. Sie ist nicht nur für viele Menschen ein heiliges Buch, sondern enthält Anlagentipps, die bis heute von vielen Investoren beherzigt werden. So soll unter anderem nicht in Glücksspiel und Prostitution investiert werden. Zugleich wird von Wohlhabenden verlangt, die Augen nicht vor sozialen Ungleichheiten zu verschließen. So sollte nach der Ernte etwas für die Armen auf dem Feld zurücklassen werden und der freie Tag der Woche musste auch für die Untergebenen gelten. Und auch die zentrale Botschaft von Jesus ist eine klare Absage an Geiz, Gier und Egotrip: die Nächstenliebe.

Geld und (Un-)Moral spielten in der Kirchengeschichte immer eine große Rolle und ermöglichten soziale Mildtätigkeit ebenso wie Korruption, Gier und Prunksucht. So geht auch die Kirchenspaltung von 1517 auf den Ablasshandel zurück, der im Grunde nichts anderes war als ein mittelalterliches Anlagenangebot des Vatikans. Wer genug Geld besaß, konnte sich damit von seinen Sünden freikaufen und so seinen Platz im Himmel sichern. Die Empörung über den Ablasshandel führte schließlich zur Kirchenspaltung von 1517 und zum Entstehen des Protestantismus. Dieser sollte auch für die weitere Entwicklung des nachhaltigen Investierens eine prägende Rolle spielen.

Aus Unternehmern wurden Philanthropen und Stiftungsgründer

So waren es im 19. Jahrhundert, als die Industrialisierung zu großen sozialen Unterschieden führte, erneut protestantische Freikirchen, die Unternehmen und Berufe anprangerten, die ihren Moralvorstellungen widersprachen. Als die Quäker 1898 ihren ersten Treuhandfonds gründeten, investierten sie darum weder in Waffen, Alkohol, Tabak noch Sklaverei. Doch in jener Zeit großer gesellschaftlicher Spannungen, entwickelte sich auch eine zweite Form des nachhaltigen Investierens, das von einem selbstbewussten Unternehmertum geprägt wurde. In den USA häuften damals Tycoons riesige Vermögen auf. So wurde der Erdölproduzent John D. Rockefeller zum ersten Dollar-Milliardär der Geschichte. Aber auch Namen wie Andrew Carnegie oder Cornelius Vanderbilt stehen bis heute sinnbildlich für sagenhaften Reichtum – und für eine neue Form des bürgerlichen Engagements: der Philanthropie.

Die Geldelite bekannte sich zu ihrer sozialen Verantwortung und gründete mit ihrem Geld Universitäten, Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, Stiftungen, Bibliotheken und Museen. Damit war das Fundament für ein bürgerliches Engagement in sozialen Fragen gelegt, das nicht mehr zwangsläufig auch an eine religiöse Überzeugung gebunden sein musste.

Seit über 90 Jahren nur Gewinn gemacht 

Im Jahr 1928 folgte der nächste Meilenstein. In Boston wurde der sogenannte „Pionierfonds“ gegründet, der ebenfalls eine Reihe von Industrien ausschloss und sich dabei im Wesentlichen an den „Sündenlisten“ der protestantischen Freikirchen orientierte. Übrigens ist dieser Fonds immer noch aktiv und gehört damit zu den ältesten der Welt. Und er ist vom ersten Tag an eine Erfolgsgeschichte gewesen, die sich auch von diversen Wirtschaftskrisen nicht stoppen ließ. Bislang hat er jedes Jahr Gewinne ausgeschüttet. Wer 1928 mit 10.000 US-Dollar gestartet hätte, wäre mittlerweile bei 200 Millionen US-Dollar angekommen.

Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten Industriekatastrophen, Kriege, der Klimawandel sowie die Bürgerrechts- und Umweltbewegung für ein Umdenken in der Gesellschaft. Zunehmend wurde den Menschen bewusst, dass jeder Einzelne Verantwortung für den Planten trägt. Geldgeber und Kunden wurden wählerischer, was ihre Anlageformen anging. Ihnen genügte das Versprechen auf hohe Rendite nicht mehr. Während des Vietnamkriegs setzten US-Studenten erfolgreich durch, dass Universitäten wie Harvard nicht länger in die Waffenindustrie investieren und der öffentliche Druck auf Südafrika sorgte dafür, dass ausländische Investoren insgesamt 625 Milliarden US-Dollar aus dem Apartheid-Staat abzogen. Damit war erstmal die Macht sichtbar geworden, die im moralischen Investieren steckt und außerdem ein neuer Begriff geprägt: Socially Responsible Investing (SRI).

Als die Investoren das Gewissen für sich entdeckten

Investoren erkannten damals zunehmend, dass sie mit ihrem Geld auch gesellschaftlichen und politischen Druck ausüben können und dass der Rendite-Zweck keinesfalls alle Mittel heiligt. Wenn man so will, erschien mit SRI der moralische Anleger auf dem Investment-Parkett und zeigt seitdem auch keine Anstalten, wieder zu gehen. Ganz im Gegenteil. Neben SRI wurde auch der Begriff Environmental, social und corporate governance (ESG) als Investment-Strategie populär, der anhand der drei wichtigen Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bemisst. Eigene Agenturen nehmen diese Wertungen vor, deren Ergebnisse für Investoren längst einen wichtigen Messwert darstellen. 

Die Auswahl an ethischen Anlageformen entwickelte sich seitdem immer weiter, bis im Jahr 2008 erstmals der Begriff „Impact-Investment“ in die Debatte eingeführt wurde. Übrigens von der Rockefeller Stiftung, die zum philanthropischen Nachlass des Öl-Magnaten Rockefeller gehört und diese Anlageform intensiv fördert. Bei ihr geht es weniger darum, bestimmte „Sünden“-Industrien zu meiden (das auch) als vielmehr darum, in Unternehmen und Innovationen zu investieren, die einen sozialen oder ökologischen Mehrwert versprechen. Aktuell stecken weltweit etwa 23 Billionen Dollar in nachhaltigen Investments, wobei der Bereich Impact-Investing das größte Wachstum aufweist. Er ist das innovativste Instrument aus der Familie der nachhaltigen Geldanlagen und kann seine kulturellen Wurzeln bis zur Bibel zurückverfolgen, in der schon vor reiner Profitgier, vor Geiz, Gier und Egoismus gewarnt wurde.


Unterschiede zu anderen Investments

Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an nachhaltigen Geldanlagen auf dem Markt. Worin unterschiedet sich das Impact-Investing von diesen? Um das zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte nötig. Lange Zeit hinweg beherrschten Geldanlagen das Finanzwesen, die ausschließlich darauf ausgerichtet waren, möglichst hohe Rendite auszuschütten. Der Fokus dieser klassischen Investments lag auf Gewinnmaximierung und nur daran wurden sie gemessen. Es gab wenige moralische Skrupel und Begriffe, wie Nachhaltigkeit, spielten keine Rolle.

Doch in den 1969er Jahren änderte sich etwas. Im Zuge der Friedensbewegung und des erwachenden Klimaschutzes wollten immer mehr Investoren genauer wissen, was mit ihrem Geld eigentlich finanziert wird. Sie wollten vermeiden, dass sie unabsichtlich Branchen oder Unternehmen unterstützen, mit denen sie aus moralischen Gründen ein Problem haben. Dieses Vorgehen erhielt den Namen Social Responsible Investing(SRI). Dabei wurden ganze Branchen als Investitionsobjekt ausgeschlossen, um dadurch deren negativen Folgen auf Umwelt und Gesellschaft nicht zu fördern („negative Screening“ / Ausschlußkriterien).

Als eine Folge davon zogen viele Anleger, Unternehmen und Staaten Gelder aus dem Südafrika der Apartheid ab. Insgesamt die enorme Summe von 625 Milliarden Dollar. Mit dem SRI-Ansatz verlor das Renditenstreben die Hoheit über die Finanzwelt. Auf einmal reichte es nicht mehr, nur hohe Gewinne versprechen zu können. Man musste auch nachweisen, dass diese auf eine moralisch angemessene Weise möglich sind.

Kein Geld für südafrikanische Rassisten

Für die Freunde des reinen Renditedenkens brachen aber noch schwerere Zeiten an, als das ESG die Finanzbühne betrat. Ausgeschrieben steht das für Environment Social Governance und unterscheidet sich deutlich vom SRI. Während dieses vor allem versucht, problematische Branchen zu boykottieren, wirft ESG einen Blick auf die Selbstdarstellung von Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Wie sehr sich die Gesellschaft seit den Tagen des reinen Profitstrebens gewandelt hat, ist an ESG gut ablesbar. Unternehmen verpflichten sich freiwillig zu einem bestimmten nachhaltigen Verhalten, um damit Investoren von sich zu überzeugen („positive Screening“ / Positivauswahl).

Zu den für ESG relevanten Kriterien könnten unter anderem gehören: Welcher Beitrag wird dafür geleistet, Ressourcen zu schonen, die Umwelt zu entlasten und die Klimabelastung zu verringern? Wie ist die Arbeitsatmosphäre, was wird gegen Diskriminierung unternommen und werden Zulieferer fair bezahlt? Sind die eigenen Produkte kosteneffizient in der Herstellung und langlebig im Verbrauch? Welche Vision für die Zukunft hat das Unternehmen und welchen Beitrag will es zu einer besseren Welt leisten?

Unternehmen wollen Gutes tun – für ihre Bilanzen und Investoren

Da es sich bei den ESG-Kriterien um freiwillige Angaben der Unternehmen handelt, hat sich mittlerweile eine eigene Industrie entwickelt, die versucht, eine Vergleichbarkeit in diesem Bereich des nachhaltigen Investierens zu etablieren. So gibt es die Global Report Initiative, die Nachhaltigkeitsreporte erstellt und auf diese Weise den Unternehmen ESG-Noten ausstellt. Weil Nachhaltigkeit mittlerweile in der Finanzwelt ein wichtiger Faktor ist, ist es für die Unternehmen auch entsprechend wichtig, dass ihre Anstrengungen in diese Richtung anerkannt werden.

Mit schlechten Werten im ESG-Bereich sinken die Chancen auf Investoren, zumal längst von führenden Finanzexperten die Meinung vertreten wird, dass mittelfristig nur erfolgreich sein kann, wer Investoren und Kunden von seiner eigenen Nachhaltigkeits-Philosophie überzeugen kann. Während beim SRI das Ausschlusskriterium darin besteht, was ein Unternehmen produziert, besteht das Ausschlusskriterium beim ESG darin, wie ein Unternehmen das was produziert. So würde beispielsweise ein Windrad-Hersteller den SRI-Kriterien entsprechen, aber sollte er in einem Schwellenland produzieren und dort die Arbeiter ausbeuten, würde er an der ESG-Hürde scheitern. 

Die Welt retten und dabei etwas für sein Konto tun

Damit ist die Zeit für Impact-Investing gekommen. Diese Geldanlage will ebenfalls einen nachhaltigen Effekt bewirken und zugleich eine marktübliche Rendite erzielen. Wobei ihr Ansatz gewinnorientierter ist als bei SRI- oder ESG-Anlagen. In diesen darf zum Teil der nachhaltige Erfolg auch auf Kosten der Renditeausschüttung gehen. Beim Impact-Investment besteht das Ziel vielmehr darin, sowohl eine Finanz-Rendite (mindestens den Kapitalerhalt) als auch soziale und ökologische Erfolge zu verbinden.

Gleichzeitig ist diese Anlageform offensiver als die beiden anderen Ansätze. Während SRI vor allem „unmoralische“ Branchen ausschließt und ESG sich mit der „Selbstdarstellung“ von Unternehmen beschäftigt, fließt Impact-Investing oft in Innovationen oder Unternehmen, die eine Anstoß- oder Abschlussfinanzierung benötigen. Im Gegensatz zur Rendite-Fixierung der klassischen Investments findet die des Impact-Investing allerdings innerhalb der Grenzen von SRI und ESG statt. Rendite und Gewissen kommen bei dieser Anlageform zusammen, die darum ihr Kapital nur in Projekte geben kann, die sich mit der Lösung von ökologischen, ökonomischen oder sozialen Problemen beschäftigen. Ähnlich wie für das ESG gibt es mittlerweile auch für Impact-Investing Vergleichsportale im Internet, auf denen zu sehen ist, welche Branchen und Unternehmen sich für eine solche Finanzierung eignen und welche nicht.

Bei Impact-Investing ist darüber hinaus noch die klare Intention bei einer Investition von Bedeutung, proaktiv den gewünschten sozialen oder ökologischen Mehrwert auch wirklich zu erzielen. Um dies im Nachhinein auch belegen zu können, muss dieser Mehrwert evaluierbar bzw. messbar sein. Auch beabsichtigt das Impact-Investing eine „Additionality“ oder Zusätzlichkeit des Kapitals, das ohne den Mehrwert nicht investiert worden wäre.

Innovationen fördern, statt Branchen boykottieren

Traditionell sind Investitionen im Bereich der nachhaltigen Geldanlage eher passiv. Es wird darauf geachtet, Branchen zu bannen, die für moralisch problematisch gehalten werden. Impact-Investment hingegen ist eine aktivere Geldanlage. Wo SRI-Investments nicht in Atomkraft investieren, könnte Impact-Investing die Gründung erneuerbarer Energielieferanten anstoßen und wo ESG-Investments nicht in den Fleischgroßhandel investieren, könnte Impact-Investing ein Laborfleisch-Startup unterstützen.

Zum Abschluss könnte man sagen: Nachhaltige Investments sind etwas für geduldige Weltverbesserer – Impact-Investings etwas für die Ungeduldigen unter ihnen.


Millennials und Impact-Investing

Millennials wird gerne vorgeworfen, egoistischer und ungeduldiger zu sein als ihre Eltern. Hoffentlich stimmt das. Für den Planeten wäre das jedenfalls eine gute Nachricht. Für die Lösung der ökologischen und ökonomischen Probleme, die (auch) durch den Klimawandel entstanden sind, sind etwas mehr Ungeduld und etwas weniger Langmut von Vorteil. 

Und tatsächlich messen die Millennials dem Thema Klimawandel eine entscheidende Rolle bei und wollen sich auch finanziell an dessen Eindämmung beteiligen. Es ist darum nicht überraschend, dass sie auch dem Impact-Investing positiv gegenüberstehen und es als Teil der Problemlösung verstehen. Diese Bereitschaft stellt wiederum das Vorurteil einer Ego-Generation in Frage, denn für mehr als die Hälfte aller Millennials ist der nachhaltige Erfolg eigener Investitionen wichtiger als die mögliche Rendite. Keine Generation zuvor hatte ihre Prioritäten so gesetzt.

Nachhaltigkeit ist kein Rendite-Killer

Wirtschaftlicher Erfolg gilt den Millennials nicht mehr als Maß aller Dinge. Mindestens ebenso wichtig ist der ökologische oder gesellschaftliche Nutzen, den die Investition bringt. Damit wird das kapitalistische Dogma infrage gestellt, laut dem die Gewinnausschüttung der eigentliche Moment der Wahrheit ist. Nur daran bemaßen sich früher Erfolg oder Misserfolg. Doch die Zeiten haben sich geändert. Niemand, der sich für nachhaltiges Investieren interessiert, würde sich jemals für einen Waffenkonzern entscheiden oder ein Kohlebauunternehmen – ganz egal, mit was für Renditen diese wuchern könnten. Ebenso wichtig oder sogar wichtiger ist die Nachhaltigkeit eines Investments.

Die Befürchtung, dass solche Investments weniger lukrativ sind als klassische Alternativen, ist dabei längst durch Vergleichsstudien widerlegt worden. Man kann beides haben, Nachhaltigkeit und Rendite. In den letzten Jahren schnitten Impact-Investments oft sogar besser ab als konservative Alternativen.

Impact-Investing als Standard der Zukunft?

Dadurch kehrt sich der vermeintliche Nachteil in einen Kaufreiz für jene um, denen es weiterhin nur um ihren Gewinn geht und denen der Weg dorthin egal ist. Dass Impact-Investing mittlerweile auch für solche Anleger eine attraktive Geldanlage ist, zeigt, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Hype handelt. Tatsächlich gibt es immer mehr Stimmen in der Finanzwelt, die prophezeien, dass auf lange Sicht das Impact-Investing zum Standard wird und darum das „Impact“ nicht mehr nötig ist, weil es ganz selbstverständlich mitgedacht wird.  

Investing wäre dann immer ‚Impact-Investing‘, während sich andere Anlageformen mit dem Bindestrich davon absetzen müssten. Also Defence-Investing für den Bereich Waffenindustrie, Fossil-Investing für fossile Brennstoffe oder Tobacco-Investing für die Zigarettenindustrie.  

Millennials als „Stimmungsmacher“ gegen reines Gewinnstreben

Ob es wirklich so kommt, wird sich zeigen. Aber wenn ja, hätten die Millennials einen entscheidenden Anteil an diesem grundlegenden Wandel an den Finanzmärkten. Zugleich fängt ihre Offenheit an, auf andere auszustrahlen. Während sich etwa achtzig Prozent der Millennials vorstellen können, Impact-Investments zu tätigen oder das bereits getan haben, nimmt auch das Interesse der Babyboomer zu. In deren Generation beschäftigt sich mittlerweile ebenfalls jeder Dritte mit solchen Geldanlagen.

Die Millennials könnten auch deswegen eine ‚Gamechanger‘-Generation sein, weil sie noch ein weiteres Ass in der Hand halten. Ihre Moralvorstellungen beeinflussen nicht nur die Generation ihrer Eltern, sondern noch stärker die ihrer eigenen Kinder. Wenn moralische Überlegungen immer wichtiger werden und das reine Gewinnstreben an Einfluss verliert, verändert das auch die Dynamiken an den Finanzmärkten. Womöglich wird also ausgerechnet die Generation, die als besonders egoistisch bezeichnet wird, dem Finanzsystem den Rendite-Egoismus austreiben. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Klagen der Alten über die Jungen sich als falsch erweisen würden.


Impact-Investing und die Vereinten Nationen

Mit Geldanlagen ist es wie mit Erfindungen. Sie brauchen den richtigen Zeitpunkt und das passende gesellschaftliche Klima, um erfolgreich zu sein. Schon die Chinesen erfanden im Jahr 1041 den Buchdruck, ohne dass er im Land aber eine große Popularität erfuhr. Dadurch blieb sein Potenzial weitgehend ungenutzt.

Erst als über 400 Jahre später Johannes Gutenberg in Mainz ebenfalls eine Maschine zum Buchdruck fertigstellte, konnte der Siegeszug dieses neuen Mediums beginnen. In Europa konnte ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen, weswegen sie neugierig die Abbildungen und Karikaturen betrachtete, die jetzt zunehmend die Runde machten. Es gab also einen Markt für dieses neue Produkt.

Mit Impact-Investing und den Vereinten Nationen verhält es sich ähnlich. Hätte die UN im Jahr 1965 einen Beschluss über, 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung‘ beschlossen, wären diese kaum zu Kenntnis genommen worden. Damals war das kollektive Bewusstsein für einen rücksichtsvollen Umgang mit den Ressourcen der Welt noch nicht entwickelt. Umweltverschmutzung wurde als Preis für den Fortschritt akzeptiert, wozu auch vergiftete Flüsse und Smokwolken über den Städten gehörten. Außerdem bedrohte der Konflikt zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion die Existenz der Menschheit.

Siebzehn UN-Ziele für eine bessere Zukunft

Ein halbes Jahrhundert später sieht die Sache ganz anders aus. Der Kalte Krieg ist Vergangenheit, es gab den Super-Gau in Tschernobyl, den Schock über das Ozonloch und die Sorge über schmelzende Eismassen an den Polen. Weltweit demonstrieren mittlerweile Menschen für mehr Klimaschutz, während sich auch die politischen Führer der meisten Staaten dazu bekennen.

Und in diese Atmosphäre hinein entwickelten die UN ein ehrgeiziges Klimaschutz-Programm, die Agenda 2030. Insgesamt besteht es aus siebzehn Zielen, die bis ins Jahr 2030 realisiert werden sollen. Dazu gehören unter anderem „Armut beenden“, „Ernährung sichern“, „Gesundes Leben für alle“, „Bildung für alle“, „Wasser und Sanitätsversorgung für alle“ und „Menschenwürdiges Arbeiten für alle“. Diese Ziele sollen möglichst schnell erreicht werden, wobei die Vereinten Nationen dabei die Verantwortung nicht nur bei den Staaten sehen, sondern auch bei der Wirtschaft. Und an dieser Stelle bekommt das Impact-Investing seinen Auftritt.

Impact-Investings sind die Feuerwehr unter den Geldanlagen

Gerade weil der Zeitplan ehrgeizig ist, diese 17 Ziele bis ins Jahr 2030 zu schaffen, sind Impact-Investments ideale Anlageformen. Schließlich handelt es sich bei ihnen um „anpackende“ Geldanlagen, die auf einen möglichst zeitnahen nachhaltigen Effekt ausgerichtet sind. Impact-Investments sind so etwas wie die Feuerwehr unter den Geldanlagen. Sie kommen schnell und versuchen möglichst rasch das Problem in den Griff zu bekommen.

Die siebzehn UN-Ziele sind nicht nur für die Zukunft der Menschheit und des Planeten von hoher Bedeutung, sondern sie katapultieren das Impact-Investing auch in die erste Reihe der populären Geldanlagen.

Impact-Investing spielt beim Reparieren der Welt eine entscheidende Rolle

Nie zuvor hat die Staatengemeinschaft bei der Lösung fundamentaler Probleme so sehr auf die Wirtschaft gesetzt. Banken, Stiftungen und Unternehmen werden ermuntert, in Geldanlagen zu investieren oder diese anzubieten, die dem nachhaltigen Sektor zuzurechnen sind. Mit anderen Worten: die Vereinten Nationen sehen in Impact-Investing ein Werkzeug, das beim Reparieren der Welt eine entscheidende Rolle spielen kann.

Der Klimawandel war der historische Zeitpunkt und die Vereinten Nationen die ‚Druckerpresse‘, die dem Impact-Investing eine wichtige Rolle bei der Lösung gravierender Probleme zuwies. Damit hat die Staatengemeinschaft mehr für diese Anlageform getan, als es jemals ein einzelnes Land, ein Philanthrop oder ein Konzern hätte tun können. Für die UN steht fest, dass für das Erreichen der, 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung‘ Impact-Investing unersetzlich ist.        


Impact-Investing hat Zukunft

Wenn ein Mann, der sechs Billionen US-Dollar verwaltet, einen Strategiewechsel ankündigt, sollte man ihm zuhören. Die Rede ist von Larry Fink, dem CEO von BlackRock, der größten und umstrittensten Fondsgesellschaft der Welt. Sogar er ist der Ansicht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sich der Erfolg eines Unternehmens nur über Umsatz und Gewinn definiert hat. Zunehmend wichtiger werde auch, ob es sich um die nachhaltige Lösung von gesellschaftlichen und ökologischen Problemen bemüht. „Die Gesellschaft wendet sich der Privatwirtschaft zu und fordert von den Unternehmen, auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren“, heißt es bei Fink und weiter, „sowohl öffentliche als auch private Unternehmen müssen einem sozialen Zweck dienen“. Wobei man bei derartige Ankündigungen immer kritisch prüfen sollte, ob es sich ggf. nur um „Greenwashing“ handelt.

Es kommt einer Zeitenwende gleich, wenn die wichtigste Fondsgesellschaft des Planeten mal eben die Regeln des kapitalistischen Wirtschaftssystems neu schreibt. Milton Friedmann, einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, erklärte noch jede unternehmerische Abweichung vom „Kerngeschäft“ zu einer Bedrohung für die Bilanzen. Dass keine zwanzig Jahre nach seinem Tod plötzlich aus dem Herzen der Wallstreet heraus die Mahnung an die Geschäftswelt ergeht, dass die Zeiten der ausschließlichen Gewinnmaximierung vorbei sind, ist beachtlich.  Doch die Fakten geben Larry Fink recht. Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Das Bewusstsein dafür, dass globale Probleme alle angehen, hat die soziale Sensibilität gestärkt. Eine Folge davon ist der Aufstieg sozialer und nachhaltiger Anlageformen. Allen voran des Impact-Investing, sozusagen als Speerspitze oder Vorreiter des Änderungsprozesses.

Ein Potenzial von bis zu 26 Billionen US-Dollar

Schon heute wird das weltweit auf diese Weise angelegte Vermögen auf 228 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei JP Morgan ein Volumen von bis zu einer Billionen US-Dollar bis Mitte der 2020er Jahre erwartet. Noch optimistischer ist die Entwicklungsbank Internationale Finanz-Corporation, die als Teil der Weltbank ihre Aufgabe darin sieht, den Privatsektor in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern. Sie kommt auf ein Potenzial von bis zu 26 Billionen US-Dollar.    

Woher kommt diese Euphorie? Neben dem gesellschaftlichen Wandel, der auch vor dem Anlageverhalten nicht Halt macht, sind es vor allem junge Menschen und Frauen, die durch nachhaltiges Investieren zu einer besseren Welt beitragen wollen. In beiden Gruppen ist Impact-Investment eine beliebte Investitionsmöglichkeit. 85 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Millennials können sich eine nachhaltige Investition vorstellen, wobei letztere gerade ihre berufliche Karriereleiter hinaufsteigen und somit über immer mehr Kapital verfügen. Hinzu kommt, dass sie von ihrer wohlhabenden Elterngeneration in den nächsten Jahrzehnten Vermögenswerte in Billionenhöhe erben werden.

Wir erleben die größte Vermögensumschichtung der Geschichte

Beim Vermögen, das die Babyboomer-Generation ihren Kindern hinterlässt, handelt es sich um den größten Reichtumstransfer der Menschheitsgeschichte. Und er kommt einer Generation zugute, die sich für Impact-Investing so sehr interessiert wie keine zuvor. Schon in diesem Jahr verfügen die Millennials über ein Vermögen von etwa 24 Billionen US-Dollar und die Kurve wird über viele Jahre weiter steil nach oben gehen. Selbst in Deutschland, wo es traditionell jede Anlageform schwer hat, die kein Sparbuch ist, können sich 15 Millionen Menschen eine nachhaltige Geldanlage vorstellen.

Zum wachsenden Erfolg von Impact-Investing dürfte auch beitragen, dass das Vorurteil widerlegt wurde, Unternehmen seien weniger erfolgreich, wenn sie sich auch für nachhaltige Ziele einsetzen. Vergleichsstudien kommen zum Ergebnis, dass die Renditen solcher Unternehmen nicht unter denen anderer Wettbewerber liegen, die sich nur auf ihr „Kerngeschäft“ konzentrieren. Im Gegenteil wird erwartet, dass ein Mangel an sozialer Verantwortung zunehmend stärker durch den Markt und die Kunden abgestraft werden wird und der vermeintliche Vorteil dadurch zu einem Nachteil wird. Vor allem über langfristige Investment-Perioden sind nachhaltige Geschäftsmodelle auch finanziell erfolgreicher.

Impact-Investing zähmt die Gier mithilfe der Moral

Die Zeiten ändern sich und wer auch morgen noch in der Wirtschafts- und Finanzwelt eine Rolle spielen will, muss die Zeichen der Zeit erkennen und sich anpassen. Immer mehr Banken, Börsengiganten und Fonds haben das verstanden. Einer der Gewinner dieser neuen Zeit, in der Profit nicht mehr über allem steht, wird das Impact-Investing sein. Es verbindet den Wunsch nach einem aktiven Beitrag zur Rettung der Welt und das Ziel mindestens den Kapitalerhalt bzw. eine relevante Marktrendite zu erreichen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich diese Anlageform entwickeln wird, der die größte Fondsgesellschaft der Welt eine goldene Zukunft zutraut.


Beispiele für erfolgreiche Impact-Investments

Schon heute verändern Impact-Investments weltweit das Leben von Menschen zum Besseren. In Indien leistet etwa die Organisation Lok Capital seit Jahren wertvolle Arbeit und hat nach eigenen Angaben zur Schaffung von etwa 40.000 Arbeitsplätzen beigetragen sowie für 400.000 Einwohnern den Zugang zu medizinischer Versorgung erleichtert.

Das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt ist nach wie vor geprägt von einem starken Kontrast zwischen Stadt und Land und von großen Bildungs- und Einkommensunterschieden. Zwar hat Indien sich längst als eine IT-Supermacht etabliert, doch zugleich leben dort weiterhin Millionen Menschen unter der Armutsgrenze und haben weder Zugang zu sauberem Wasser noch die Möglichkeit, eine ausreichende Schulbildung zu absolvieren.

In einem solchen Umfeld kann Impact-Investing eine wichtige Rolle spielen, um da einzuspringen, wo der Staat überfordert ist und rein gewinnorientierte Unternehmen keine Renditechancen sehen. So hat Lok Capital auch in ein Unternehmen investiert, das sich auf Kredite spezialisiert, die Familien mit geringem Einkommen den Traum vom Eigenheim ermöglichen sollen. Ein anderes Unternehmen verfolgt das Ziel, den Preis für Diabetes-Behandlungen deutlich zu reduzieren. Andere Investments sollen helfen, die Zahl der Versicherten zu erhöhen oder die Milchproduktion zu professionalisieren. Gerade weil diese Investments in ärmlichen Regionen stattfinden, können die Lebensumstände der Betroffenen zum Teil schon durch geringe Geldsummen deutlich verbessert werden.

Sauberes Wasser für eine halbe Millionen Menschen

Auch in Afrika stoßen Impact-Investments wichtige Veränderungen an. Der Vital Capital Fund hat sich darauf konzentriert, „das wirtschaftliche, persönliche und soziale Wohlergehen von Gemeinschaften mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Afrika südlich der Sahara zu verbessern“ und macht das laut eigenen Angaben zu 100% durch Impact-Investments. Ein Schwerpunktland ist dabei Angola. So ging Geld an das Unternehmen Water For All, das seine Mission schon im Namen trägt. Der fehlende Zugang zu Wasser ist ein großes Problem in Angola, das laut Weltbank etwa 30 Prozent der ländlichen Bevölkerung betrifft. Water For All gelang es nun, durch den Einsatz moderner Filteranlagen und Speichermöglichkeiten eine halbe Millionen Menschen aus der Notlage zu befreien, keinen ausreichenden Zugang zu Wasser zu haben.

Auch das schwach ausgebaute Stromnetz in Angolas Provinz behindert den wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg der dort lebenden Menschen. Zugleich behelfen sie sich oft mit Dieselgeneratoren, die zusätzlich die Umwelt belasten. Ein ambitioniertes Projekt mit Namen SGWK (Sume-Gabela-Waku-Kungo) baute das vorhandene Stromnetz mithilfe neuer Umspannwerke um mehr als 300 Kilometer aus.

Impact-Investing hilft auch in Industrienationen

Auf diese Weise konnten abgelegene Siedlungen mit Elektrizität versorgt werden, in denen mehr als 150.000 Menschen leben. Der Vital Capital Fund finanziert noch weitere Projekte, die ebenfalls eine bedeutsame Verbesserung der Lebensumstände in den entsprechenden Regionen bewirken. Etwa durch den Bau von Krankenhäusern, die Förderung der Landwirtschaft oder der erneuerbaren Energien. 

Allerdings ist Impact-Investing keineswegs nur auf Entwicklungsländer reduziert. Auch in Industrienationen wird es zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme eingesetzt. Ein wichtiger Unterschied ist dabei, dass der finanzielle Aufwand entsprechend größer ist, denn ein Euro bewirkt in Großbritannien weniger als in Angola.  In Industrienationen sind die Grundbedürfnisse nach saubererem Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung zumeist gesichert. Ein Schwerpunkt besteht hier in der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum. So wurde in Durham (Großbritannien) etwa ein Neubaugebiet über Impact-Investing finanziert, das aufgrund einer innovativen Bauweise nicht nur auffallend schnell fertiggestellt werden konnte, sondern dabei auch nur die Hälfte des Schutts herkömmlicher Bauarbeiten produzierte.

Mit Investitionen in Zukunftstechnologien auf den Klimawandel reagieren

Womöglich handelt es sich dabei um eine Innovation, die künftig vermehrt in der Bauindustrie Verwendung findet, um die Umwelt zu entlasten. Andere Schwerpunkte in Industrienationen sinddie soziale Gleichstellung von Minderheiten, der Kampf gegen Süchte, wie Alkoholismus oder Drogen sowie das Investieren in den Umweltschutz und in Zukunftstechnologien, denen eine wichtige Rolle bei der Lösung ökologischer und ökonomischer Aufgaben zugetraut wird.

Es gibt viele gelungene Beispiele dafür, wie Impact-Investing auf verschiedensten Ebenen Gutes bewirken kann. Dabei spielt es keine Rolle, wo auf der Welt diese Investitionen stattfinden. Sie können in Industrienationen ebenso wichtig sein wie in Schwellenländern und leisten einen bedeutenden Beitrag dafür, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.


Impact-Investing in Deutschland

„Leider kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Der Begriff ‚Impact-Investing‘ ist mir nicht bekannt.“ Wenn das ein zufällig ausgewählter Passant auf der Straße antworten würde, dürfte das niemanden erstaunen. Allerdings handelt es sich hier um die offizielle Antwort einer deutschen Großbank. Impact-Investing hat sich in Deutschland also noch nicht durchgesetzt. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute lautet aber: Das ändert sich gerade.

Warum in Deutschland der Einstieg in diese nachhaltige Form der Geldanlage schwerer fällt als in den angelsächsischen Ländern, hat mehrere Gründe. Da wäre zum einen die Spardisziplin der Deutschen. Mit ungebrochenem Vertrauen wird das Geld aufs Konto gelegt. Daran änderten weder Staatsbankrotte im 20. Jahrhundert etwas noch die Nullzinspolitik des 21. Jahrhunderts. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn verfügen Deutsche selten über Aktien, ETFs oder Fonds, dafür aber über mehr Misstrauen gegenüber der Börse. Hinzu kommt, dass der deutsche Staat diese Geldanlage noch nicht im gleichen Maß fördert, wie es Beispielsweise der britische macht. Dort wurde die ‚Social Investment Bank‘ gegründet und mit 700 Millionen Euro ausgestattet.

Noch ist Deutschland ein Impact-Investing-Nachzügler

Deutschland zeigt noch kein solches Engagement und verzichtet bislang weitestgehend auf rechtliche Anreize oder das Auftreten als Impact-Investor. Diese Mischung aus zögerlichen Bürgern und Investoren sowie einem zurückhaltenden Staat hat einen Markt zur Folge, der bislang nur eine überschaubare Zahl an Anlageprodukten hervorgebracht hat. Die Folgen davon zeigen sich im internationalen Vergleich. Während weltweit mehr als 30 Milliarden Euro als Impact-Investments in Unternehmen, Fonds und Startups investiert sind, beläuft sich der deutsche Anteil auf weniger als 100 Millionen Euro – also auf nicht einmal 4 Prozent.

Das klingt eher ernüchternd und doch gibt es Entwicklungen, die Mut machen. Die Deutschen fangen nämlich an, ihren Umgang mit Geld zu ändern. Langsam zwar, aber unübersehbar. In keiner Gruppe ist dabei das Interesse an Impact-Investing so groß wie unter den Millennials. Dieser Trend ist Teil eines wachsenden Bewusstseins dafür, dass jeder Einzelne etwas zum Zustand der Welt beitragen kann. Tatsächlich zeigen Umfragen, dass das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen seit den Babyboomern bei jeder folgenden Generation zugenommen hat und bei der Generation Z (Jahrgang 1997 – 2012) sogar noch einmal stärker ausgeprägt ist als bei den Millennials, also den ‚Gamechangern‘ in Sachen Impact-Investing. Spätestens mit der weltweiten Klimaschutzbewegung, die von jungen Menschen organisiert wird, wird auch zeitnahes Handeln eingefordert, das dem Impact-Investing entgegenkommt. Schließlich ist dessen Anspruch, möglichst schnell und nachhaltig zu wirken. Die Auswirkungen der Corona Krise werden diesen Trend sicher noch verstärken, da hier schonungslos Investitions-Bedarfe offengelegt werden.

Deutsche Stiftungen und Millennials als Vorreiter in Sachen Impact-Investing

Dieser Trend ist auch bei Startups zu erkennen, die typischerweise von jungen Gründern ins Leben gerufen werden. Für viele von ihnen steht nicht mehr der Traum im Mittelpunkt, ein milliardenschweres Unternehmen zu schaffen, sondern der Wunsch, gesellschaftliche und ökologische Probleme zu lösen. Auch medial nimmt das Interesse an dieser „Tu Gutes und verdiene damit Geld“-Investmentform stetig zu.

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen brachte 2012 eine erste Publikation zum Thema Impact-Investing heraus, der seitdem Dutzende weitere folgten. Auch die Zahl an Blogs steigt ebenso die Debattenbeiträge auf Finanz- und Stiftungsmessen. In ‚Die Stiftung – Magazin für Stiftungswesen und Philantrophie‘, hieß es darum zufrieden, „die Diskussion um Impact-Investing bei deutschen Stiftungen dreht sich heute nicht mehr um das ‚Warum‘, sondern vor allem um das ‚Wie‘“.

Experten nehmen an, dass künftig vor allem Volks-, Raiffeisenbanken und Sparkassen das Impact-Investing für sich entdecken könnten. Sie haben die regionale Verwurzelung dafür, um Projekte „vor Ort“ zu fördern und könnten auf diese Weise auch ihr Image bei der jüngeren Generation als Banken verbessern, die sich dem nachhaltigen Schutz von Gesellschaft und Natur verschrieben haben. Aus ähnlichen Gründen wäre es auch für Großbanken von Vorteil, in diese Anlageform zu investieren. Zumal ein Blick ins benachbarte Ausland reicht, um zu sehen, dass andere Großbanken längst erhebliche Summen auf diese Weise anlegen. Die Schweizer UBS hat bislang 2,3 Milliarden Euro investiert und kündigte an, bis zu 4,4 weitere Milliarden auf diese Weise einzusetzen, da sie davon ausgeht, dass sich Impact-Investing zu einer der attraktivsten Geldanlagen der Zukunft entwickeln wird. 

Der Markt für Impact-Investing wächst auch in Deutschland

Es gibt also gute Gründe anzunehmen, dass die Zeiten bald vorbei sind, in denen Mitarbeiter deutscher Großbanken ratlos abwinken müssen, wenn sie auf Impact-Investing angesprochen werden. Die Gesellschaft wird sozialer und das zeigt sich zunehmend auch in der Art der Anlagenformen, die bevorzugt werden. Während in Großbritannien und den USA das Impact-Investing schon eine größere Rolle spielt, entdecken auch die Deutschen es zunehmend für sich. Das ist eine gute Nachricht für ihren Kontostand und den Zustand der Welt.