Impact-Investment – Geschichte

Die Geschichte des Impact-Investing

Am Anfang der Bibel steht das Wort und am Anfang des Impact-Investments die Bibel. Sie ist nicht nur für viele Menschen ein heiliges Buch, sondern enthält Anlagentipps, die bis heute von vielen Investoren beherzigt werden. So soll unter anderem nicht in Glücksspiel und Prostitution investiert werden. Zugleich wird von Wohlhabenden verlangt, die Augen nicht vor sozialen Ungleichheiten zu verschließen. So sollte nach der Ernte etwas für die Armen auf dem Feld zurücklassen werden und der freie Tag der Woche musste auch für die Untergebenen gelten. Und auch die zentrale Botschaft von Jesus ist eine klare Absage an Geiz, Gier und Egotrip: die Nächstenliebe.

Geld und (Un-)Moral spielten in der Kirchengeschichte immer eine große Rolle und ermöglichten soziale Mildtätigkeit ebenso wie Korruption, Gier und Prunksucht. So geht auch die Kirchenspaltung von 1517 auf den Ablasshandel zurück, der im Grunde nichts anderes war als ein mittelalterliches Anlagenangebot des Vatikans. Wer genug Geld besaß, konnte sich damit von seinen Sünden freikaufen und so seinen Platz im Himmel sichern. Die Empörung über den Ablasshandel führte schließlich zur Kirchenspaltung von 1517 und zum Entstehen des Protestantismus. Dieser sollte auch für die weitere Entwicklung des nachhaltigen Investierens eine prägende Rolle spielen.

Aus Unternehmern wurden Philanthropen und Stiftungsgründer

So waren es im 19. Jahrhundert, als die Industrialisierung zu großen sozialen Unterschieden führte, erneut protestantische Freikirchen, die Unternehmen und Berufe anprangerten, die ihren Moralvorstellungen widersprachen. Als die Quäker 1898 ihren ersten Treuhandfonds gründeten, investierten sie darum weder in Waffen, Alkohol, Tabak noch Sklaverei. Doch in jener Zeit großer gesellschaftlicher Spannungen, entwickelte sich auch eine zweite Form des nachhaltigen Investierens, das von einem selbstbewussten Unternehmertum geprägt wurde. In den USA häuften damals Tycoons riesige Vermögen auf. So wurde der Erdölproduzent John D. Rockefeller zum ersten Dollar-Milliardär der Geschichte. Aber auch Namen wie Andrew Carnegie oder Cornelius Vanderbilt stehen bis heute sinnbildlich für sagenhaften Reichtum – und für eine neue Form des bürgerlichen Engagements: der Philanthropie.

Die Geldelite bekannte sich zu ihrer sozialen Verantwortung und gründete mit ihrem Geld Universitäten, Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, Stiftungen, Bibliotheken und Museen. Damit war das Fundament für ein bürgerliches Engagement in sozialen Fragen gelegt, das nicht mehr zwangsläufig auch an eine religiöse Überzeugung gebunden sein musste.

Seit über 90 Jahren nur Gewinn gemacht 

Im Jahr 1928 folgte der nächste Meilenstein. In Boston wurde der sogenannte „Pionierfonds“ gegründet, der ebenfalls eine Reihe von Industrien ausschloss und sich dabei im Wesentlichen an den „Sündenlisten“ der protestantischen Freikirchen orientierte. Übrigens ist dieser Fonds immer noch aktiv und gehört damit zu den ältesten der Welt. Und er ist vom ersten Tag an eine Erfolgsgeschichte gewesen, die sich auch von diversen Wirtschaftskrisen nicht stoppen ließ. Bislang hat er jedes Jahr Gewinne ausgeschüttet. Wer 1928 mit 10.000 US-Dollar gestartet hätte, wäre mittlerweile bei 200 Millionen US-Dollar angekommen.

Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten Industriekatastrophen, Kriege, der Klimawandel sowie die Bürgerrechts- und Umweltbewegung für ein Umdenken in der Gesellschaft. Zunehmend wurde den Menschen bewusst, dass jeder Einzelne Verantwortung für den Planten trägt. Geldgeber und Kunden wurden wählerischer, was ihre Anlageformen anging. Ihnen genügte das Versprechen auf hohe Rendite nicht mehr. Während des Vietnamkriegs setzten US-Studenten erfolgreich durch, dass Universitäten wie Harvard nicht länger in die Waffenindustrie investieren und der öffentliche Druck auf Südafrika sorgte dafür, dass ausländische Investoren insgesamt 625 Milliarden US-Dollar aus dem Apartheid-Staat abzogen. Damit war erstmal die Macht sichtbar geworden, die im moralischen Investieren steckt und außerdem ein neuer Begriff geprägt: Socially Responsible Investing (SRI).

Als die Investoren das Gewissen für sich entdeckten

Investoren erkannten damals zunehmend, dass sie mit ihrem Geld auch gesellschaftlichen und politischen Druck ausüben können und dass der Rendite-Zweck keinesfalls alle Mittel heiligt. Wenn man so will, erschien mit SRI der moralische Anleger auf dem Investment-Parkett und zeigt seitdem auch keine Anstalten, wieder zu gehen. Ganz im Gegenteil. Neben SRI wurde auch der Begriff Environmental, social und corporate governance (ESG) als Investment-Strategie populär, der anhand der drei wichtigen Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bemisst. Eigene Agenturen nehmen diese Wertungen vor, deren Ergebnisse für Investoren längst einen wichtigen Messwert darstellen. 

Die Auswahl an ethischen Anlageformen entwickelte sich seitdem immer weiter, bis im Jahr 2008 erstmals der Begriff „Impact-Investment“ in die Debatte eingeführt wurde. Übrigens von der Rockefeller Stiftung, die zum philanthropischen Nachlass des Öl-Magnaten Rockefeller gehört und diese Anlageform intensiv fördert. Bei ihr geht es weniger darum, bestimmte „Sünden“-Industrien zu meiden (das auch) als vielmehr darum, in Unternehmen und Innovationen zu investieren, die einen sozialen oder ökologischen Mehrwert versprechen. Aktuell stecken weltweit etwa 23 Billionen Dollar in nachhaltigen Investments, wobei der Bereich Impact-Investing das größte Wachstum aufweist. Er ist das innovativste Instrument aus der Familie der nachhaltigen Geldanlagen und kann seine kulturellen Wurzeln bis zur Bibel zurückverfolgen, in der schon vor reiner Profitgier, vor Geiz, Gier und Egoismus gewarnt wurde.