Millennials und Impact-Investing

Millennials und Impact-Investing

Millennials wird gerne vorgeworfen, egoistischer und ungeduldiger zu sein als ihre Eltern. Hoffentlich stimmt das. Für den Planeten wäre das jedenfalls eine gute Nachricht. Für die Lösung der ökologischen und ökonomischen Probleme, die (auch) durch den Klimawandel entstanden sind, sind etwas mehr Ungeduld und etwas weniger Langmut von Vorteil. 

Und tatsächlich messen die Millennials dem Thema Klimawandel eine entscheidende Rolle bei und wollen sich auch finanziell an dessen Eindämmung beteiligen. Es ist darum nicht überraschend, dass sie auch dem Impact-Investing positiv gegenüberstehen und es als Teil der Problemlösung verstehen. Diese Bereitschaft stellt wiederum das Vorurteil einer Ego-Generation in Frage, denn für mehr als die Hälfte aller Millennials ist der nachhaltige Erfolg eigener Investitionen wichtiger als die mögliche Rendite. Keine Generation zuvor hatte ihre Prioritäten so gesetzt.

Nachhaltigkeit ist kein Rendite-Killer

Wirtschaftlicher Erfolg gilt den Millennials nicht mehr als Maß aller Dinge. Mindestens ebenso wichtig ist der ökologische oder gesellschaftliche Nutzen, den die Investition bringt. Damit wird das kapitalistische Dogma infrage gestellt, laut dem die Gewinnausschüttung der eigentliche Moment der Wahrheit ist. Nur daran bemaßen sich früher Erfolg oder Misserfolg. Doch die Zeiten haben sich geändert. Niemand, der sich für nachhaltiges Investieren interessiert, würde sich jemals für einen Waffenkonzern entscheiden oder ein Kohlebauunternehmen – ganz egal, mit was für Renditen diese wuchern könnten. Ebenso wichtig oder sogar wichtiger ist die Nachhaltigkeit eines Investments.

Die Befürchtung, dass solche Investments weniger lukrativ sind als klassische Alternativen, ist dabei längst durch Vergleichsstudien widerlegt worden. Man kann beides haben, Nachhaltigkeit und Rendite. In den letzten Jahren schnitten Impact-Investments oft sogar besser ab als konservative Alternativen.

Impact-Investing als Standard der Zukunft?

Dadurch kehrt sich der vermeintliche Nachteil in einen Kaufreiz für jene um, denen es weiterhin nur um ihren Gewinn geht und denen der Weg dorthin egal ist. Dass Impact-Investing mittlerweile auch für solche Anleger eine attraktive Geldanlage ist, zeigt, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Hype handelt. Tatsächlich gibt es immer mehr Stimmen in der Finanzwelt, die prophezeien, dass auf lange Sicht das Impact-Investing zum Standard wird und darum das „Impact“ nicht mehr nötig ist, weil es ganz selbstverständlich mitgedacht wird.  

Investing wäre dann immer ‚Impact-Investing‘, während sich andere Anlageformen mit dem Bindestrich davon absetzen müssten. Also Defence-Investing für den Bereich Waffenindustrie, Fossil-Investing für fossile Brennstoffe oder Tobacco-Investing für die Zigarettenindustrie.  

Millennials als „Stimmungsmacher“ gegen reines Gewinnstreben

Ob es wirklich so kommt, wird sich zeigen. Aber wenn ja, hätten die Millennials einen entscheidenden Anteil an diesem grundlegenden Wandel an den Finanzmärkten. Zugleich fängt ihre Offenheit an, auf andere auszustrahlen. Während sich etwa achtzig Prozent der Millennials vorstellen können, Impact-Investments zu tätigen oder das bereits getan haben, nimmt auch das Interesse der Babyboomer zu. In deren Generation beschäftigt sich mittlerweile ebenfalls jeder Dritte mit solchen Geldanlagen.

Die Millennials könnten auch deswegen eine ‚Gamechanger‘-Generation sein, weil sie noch ein weiteres Ass in der Hand halten. Ihre Moralvorstellungen beeinflussen nicht nur die Generation ihrer Eltern, sondern noch stärker die ihrer eigenen Kinder. Wenn moralische Überlegungen immer wichtiger werden und das reine Gewinnstreben an Einfluss verliert, verändert das auch die Dynamiken an den Finanzmärkten. Womöglich wird also ausgerechnet die Generation, die als besonders egoistisch bezeichnet wird, dem Finanzsystem den Rendite-Egoismus austreiben. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Klagen der Alten über die Jungen sich als falsch erweisen würden.