26. Klimakonferenz: Reichen die Maßnahmen wirklich aus?

Die UN-Klimakonferenz ist die jährlich stattfindende Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention. In Glasgow trafen sich zuletzt rund 25.000 Personen zur 26. Konferenz „COP26“. Das Problem: Die Beschlüsse reichen wahrscheinlich nicht aus, das wichtige 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, um die globale Erderwärmung zu begrenzen. Zumindest hat sich die Konferenz auf den Kohleausstieg geeinigt, wenn auch mit Abschwächungen. Damit kommt das Impact Investing ins Spiel. Durch Investments in Unternehmen und Projekte, die sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschreiben, können Anleger einen direkten Beitrag für den Umweltschutz leisten.

COP26: Kaum ein Kürzel geistert derzeit so stark durch die Medien und Social Networks wie COP26. Das steht für „United Nations Framework Convention on Climate Change“ („26th Conference of the Parties“, COP) und meint nichts anderes als die 26. UN-Klimakonferenz, die vom 31. Oktober bis 12. November 2021 im schottischen Glasgow stattfand. Die UN-Klimakonferenz ist die jährlich stattfindende Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention. An der COP26 nahmen rund 200 Länder und ca. 25.000 Personen teil, darunter hochrangige Staatschefs.

Die Geschichte reicht zurück ins Jahr 1979. Auf der ersten „Weltklimakonferenz“ unter dem Dach der UN (First World Climate Conference (WCC-1)) diskutierten Experten von Organisationen der Vereinten Nationen (UN) über die Möglichkeiten der Eindämmung der durch den Menschen verursachten schädlichen Klimaveränderungen. Im Jahr 1992 wurde auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro dann die Klimarahmenkonvention vereinbart, auf die 1995 in Berlin COP1 folgte. Unterbrochen nur durch den Corona-Herbst 2020, findet die UN-Klimakonferenz seither jährlich statt – mit immer drängenderen Themen und Nachrichten.

Hauptaufgabe: Das 1,5 Grad-Ziel in Reichweite halten

Wesentlicher Schwerpunkt der COP26 waren die Verhandlungen um den finanziellen Ausgleich und die Unterstützung der Industrienationen, welche die Erderwärmung maßgeblich verursacht haben, an die weniger entwickelten und ärmeren Länder. Aufgrund deren Lage werden diese Länder tendenziell stärker unter den Folgen der globalen Erwärmung zu leiden haben.

Bei den Vereinten Nationen werden die Ziele der COP26 wie folgt definiert:

  • Bis Mitte des Jahrhunderts den globalen Netto-Nullpunkt erreichen und das 1,5 Grad-Ziel in Reichweite halten
  • Anpassung zum Schutz von Gemeinschaften und natürlichen Lebensräumen
  • Mobilisierung von Finanzmitteln
  • Zusammenarbeit bei der Umsetzung

Das sind hehre Ziele. Nur gibt es damit ein Problem: Viele Beobachter, sowohl aktivistisch als auch eher bürgerlich geprägt, kritisieren die Ergebnisse. So sind sich beispielsweise Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der scheidende deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erstaunlich einig. „Wie erwartet, dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden“ sagte Luisa Neubauer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, und Gerd Müller kritisierte das bisher Erzielte gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Die sich abzeichnenden Beschlüsse reichen nicht aus, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.“

Erderwärmung muss dringend und schnell begrenzt werden

Das wäre ein vernichtendes Resultat der 26. UN-Klimakonferenz. Denn mittlerweile ist es Common Sense, dass die Erderwärmung dringend und schnell begrenzt werden muss, um zumindest die schwersten Folgen des Klimawandels aufzuhalten. Dass es dafür umfassende politische Anstrengungen braucht, liegt auf der Hand. Ebenso gilt, dass Wirtschaft und Gesellschaft stärker eingebunden werden müssen, um diese Ziele zu erreichen. Zumindest, und das ist ein kleiner Lichtblick, hat sich die Konferenz auf den Kohleausstieg geeinigt, wenngleich das Kohleland Indien eine Abschwächung der Erklärung durchgesetzt hat. Zudem wurden wichtige Themen wie das Ende des Verbrennermotors bis spätestens 2040, das Ende der Waldrodung bis 2030 und die 30-prozentige Reduzierung des fossilen Methangas-Ausstoßes beschlossen – auch wenn 100 Länder dies nicht mittragen werden.

Das Problem: Es wird erst einmal schlimmer, bevor es besser wird. Einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge steigen die globalen CO2-Emissionen fast ungebremst und erreichen 2023 einen neuen Höchststand. Geht es so weiter wie bisher, könnte das bis zum Jahr 2100 zu einer Erwärmung von weit über drei Grad im Vergleich zu vorindustriellen Werten führen. Das würde den Klimawandel weiter beschleunigen und zu zahlreichen Umweltkatastrophen und horrenden Schäden für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft führen.

Grüne Energie als Game Changer im Kampf gegen die globale Erwärmung

Daher spielt das Impact Investing ins Spiel. Durch Investments in Unternehmen und Projekte, die sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschreiben, können Anleger einen direkten Beitrag für den Umweltschutz leisten. Das ist auch dringend nötig, denn es wird sehr viel Kapital benötigt, um gegen den Klimawandel anzutreten. Vor allem private und semi-institutionelle Investoren sind dabei gefragt. Denn es fließen von derzeit knapp 13,6 Billionen Euro an staatlichen Hilfsmaßnahmen nur 380 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung grüner Energien, dem Game Changer im Kampf gegen die globale Erwärmung. Das sind nur rund 35 Prozent der Investitionen, die notwendig sind, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen.

Einbindung von Anlegern kann kohlenstoffarmen Übergang unterstützen

Impact Investing kann direkt das Nachhaltigkeitsziel 13 der Vereinten Nationen mit dem Titel „Maßnahmen zum Klimaschutz“ fördern. Es umfasst sowohl den Klimaschutz als auch spezifische Ziele zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Neben der Minderung von Treibhausgas-Emissionen schließt dies Aufklärung, Sensibilisierung und den Aufbau von Kapazitäten für die Klimafolgenanpassung ein.

Das stellt beispielsweise das Global Impact Investing Network (GIIN) dar. Deren Initiative „Climate Investing Track“ zielt darauf ab, Kapital für Investitionen zu mobilisieren, die den Klimawandel eindämmen. Durch die Einbindung von Anlegern im Hinblick auf gezielte Wirkungsziele und Sektoren und die Entwicklung zweckmäßiger Anlageprodukte will der „Climate Investing Track“ einen kohlenstoffarmen Übergang unterstützen, künftige Emissionen verhindern und zur Bindung des vorhandenen atmosphärischen Kohlenstoffs beitragen.

Impact-orientierte Investoren haben die Dynamik erkannt

Wie Dr. Johannes Knorz in seinem Aufsatz „Impact Investing im Single Family Office“ (Teil 1) richtigerweise schreibt:

„Die Corona-Pandemie und vielleicht noch mehr die Klimakrise führen uns das sehr drastisch und konkret vor Augen. Beide wirken als eine Art Katalysator und machen uns so deutlicher denn je: Nur wenn wir unser ökologisches und soziales Verhalten grundlegend hin zu einem wirklich nachhaltigen Zusammenspiel des Menschen mit seinem Lebensraum verändern, ist eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten überhaupt noch möglich. Alternativen hierzu gibt es nicht mehr.“

Impact-orientierte Investoren haben diese Dynamik erkannt und stellen sich der radikalen Umkehr, betont Dr. Johannes Knorz aus eigener Anschauung:

„Statt unsere Investments wie in früheren Zeiten alleine an Rendite und Risiko auszurichten, kommt nunmehr ein weiteres zentrales Kriterium hinzu, eine Art ‚dritte‘ und damit ganz neue Dimension. Und das ist die Frage nach der Wirkung, also wie wir mit unseren Investments einen konkreten Beitrag dazu leisten können, den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen. Die Antwort hierauf gibt die Anlagestrategie des Impact Investing.“

Fazit: Mehr Impact fürs Klima wagen

Impact-orientierte Investoren können natürlich nicht alle Klimaprobleme dieser Welt lösen. Aber sie haben die Chance, durch gezielte Investments in unmittelbare klima- und umweltfreundliche Projekte und Unternehmen ihr Anliegen sichtbar zu machen. Damit erweitern sie die Dimension der Kapitalinvestition mit dem Ziel, eine ökologische Wirkung zu entfalten und eine finanzielle Rendite zu generieren, um die Dimension der Reichweite: Die öffentliche Aufmerksamkeit steigt durch mehr und mehr Kapital, was wiederum die Wirkungsorientierung des Unternehmens erhöht. Impact Investing hat auch etwas mit einer dezidierten Haltung nach außen zu tun, um wichtige Diskurse anzutreiben und Themen von echter Tragweite immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen.

Über den Autor: Prof. Dr. Patrick Peters, MBA

Prof. Dr. Patrick Peters, MBA ist Professor für PR, Kommunikation und digitale Medien an der Allensbach Hochschule, Wirtschaftspublizist und Kommunikationsberater. Er befasst sich seit vielen Jahren mit der Finanzindustrie und berät vor allem Vermögensverwalter, Finanzdienstleister und Unternehmen, die sich dezidiert mit dem Thema der Nachhaltigkeit befassen. Er hält einen MBA mit Fokus auf Leadership und Ethik. Er ist Chefredakteur von impactinvestings.de.

Prof. Dr. Patrick Peters
Prof. Dr. Patrick Peters